Den Kreislauf aus Gerümpel, Angst und Depression durchbrechen

Ängste und Depressionen können zu einem Haus voller Gerümpel und Unordnung führen und Gerümpel und Unordnung können Ängste und Depressionen verschlimmern. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.

Als ich begann, mich mit Minimalismus, einem einfachen Leben und reduziertem Besitz auseinanderzusetzen hatte ich das Gefühl, dass unsere Wohnung Tag für Tag kleiner wird. Überall lagen Dinge herum die keinen festen Platz hatten, es gab Berge unerledigter Aufgaben (Bügelwäsche, nicht gespültes Geschirr, unerledigte Post …) und es gab keine freien Flächen, viele Möbel und Krimskrams. Wohin ich auch schaute, wurde ich auf mein eigenes Scheitern aufmerksam gemacht, da ich es nicht schaffte, alle Aufgaben zu erledigen und gleichzeitig für die Kinder und mich selbst da zu sein.

In dieser Zeit fühlte ich mich ständig überlastet und war durch den ständigen Schlafentzug mit zwei kleinen Kinder immer übermüdet. In unserer Wohnung, die eigentlich ein Rückzugs-und Erholungsort sein sollte, fühlte ich mich zunehmend unwohl. Irgendwann kamen dann noch Schlafstörungen hinzu und ich lag nächtelang wach, obwohl ich den Schlaf dringend gebraucht hätte.

Aber warum führen Gerümpel und Unordnung zu Stress und Ängsten?

  • Unser Gehirn ist ständigen Stimuli ausgesetzt. Unsere Sinne machen quasi Überstunden, statt auch einmal eine Ruhepause einzulegen.
  • Gerümpel und Überfluss lenken uns ab von unserer eigentlichen Aufgabe. Wir fangen aus Überforderung und Ablenkung vieles an und bringen nichts zu Ende.
  • Eine unruhige Umgebung signalisiert uns, dass es immer noch etwas zu arbeiten gibt und wir uns keine Pause erlauben dürfen.
  • Wir erstarren förmlich vor Angst, da der Berg an Arbeit durch unerledigte und neu hinzukommende Aufgaben immer größer, statt kleiner wird.
  • Wir fühlen uns schuldig und unwohl, denn es könnte sich plötzlich Besuch ankündigen und unser Chaos – und damit unser Unvermögen – bemerken.

Interessanterweise betrifft diese Gefühlslage in erster Linie Frauen. Männer scheinen davon eher unbeeindruckt zu sein. Wenn ich mich mit Menschen über diese Themen austausche, sind es in der Regel Frauen, die ähnliches erlebt haben oder gerade erleben und einen Ausweg suchen.

Der Gedanke liegt nahe, einmal an einem Wochenende alles aufzuräumen und dann wieder neu zu starten, einmal Großputz zu machen und dann das alte Leben weiter zu leben. Aber: Du kannst Dein Haus sehr gut organisieren, ohne Dich der Lösung des Problems zu nähern. Denn der Grund für die Überforderung – ein Zuviel an Aufgaben und Dingen, die deine Aufmerksamkeit fordern – ändert sich dadurch nicht. Langfristig kannst Du nur erfolgreich sein, wenn Du deinen Besitz und deine Verpflichtungen (Termine, Termine) reduzierst, statt alles gut zu organisieren.

Was kannst Du konkret tun, um den Kreislauf aus Angst, Depression und Überforderung zu durchbrechen?

  • Suche Dir Hilfe, wenn Du das Gefühl hast, alleine nicht zurecht zu kommen. Ein regelmäßiger Austausch mit einer guten Freundin kann eine wertvolle Entlastung sein. Wenn Du aber das Gefühl hast, intensivere Unterstützung zu benötigen, solltest Du einen Psychotherapeuten kontaktieren. Das ist keine Schande, sondern es dient deiner Gesundheit und deiner Familie.
  • Fang an, Deine Umgebung aufzuräumen und zu entrümpeln. Welcher Bereich in Deiner Wohnung stört Dich am Meisten? Oder sind es die vielen Termine in deinem Terminkalender oder dem der Kinder?
  • Such dir Verbündete, idealerweise in deiner Familie, die Dich verstehen und unterstützen!
  • Dokumentiere, z.B. mit Fotos oder Strichlisten, was Du geschafft hast! Vorher-Nachher-Fotos können eine wahre Offenbarung sein.
  • Bleib dran! Setze dir täglich einen festen Zeitrahmen (z.B. 15 Minuten) oder einen wöchentlichen Termin. Das ist eine fixe Verabredung, die Du nicht absagen oder schwänzen kannst. Behandele den Termin genau so wichtig, wie deine Zeit am Arbeitsplatz.
  • Lobe dich für das, was Du geschafft hast!

Bereits eine kleine Aktion jeden Tag wird dir langfristige Erfolge bringen. Dazu musst Du nur beginnen und das am Besten gleich jetzt. Du wirst überrascht sein, wie sich dadurch dein Leben langfristig verändert. Vielleicht beginnt deine Reise mit einem leer geräumten Esstisch und endet nach einiger Zeit mit viel Ruhe in deinem Alltag. Es ist dein Leben und niemand außer Dir kann dafür die Verantwortung übernehmen.

Herzliche Grüße von meinem Zuhause in dein Zuhause!

 

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