Keine Angst vor dem Entrümpeln persönlicher Dinge!

Fotos, Briefe, der Teddy aus Kindertagen. Jeder von uns besitzt sogenannte „persönliche Dinge“. Die einen besitzen nur wenige ausgewählte Stücke, andere können sich von keinem Stück trennen, das jemals in ihren Besitz gekommen ist. Aber was hat es mit diesen Dingen auf sich? Warum sind sie „persönlich“? Sind sie etwa Teil unserer Persönlichkeit?

Kulturgeschichtlich sind wir Jäger und Sammler, obwohl unsere Lebensumstände das heute nicht mehr erfordern. Das Horten persönlicher Gegenstände beginnt bei den meisten von uns in der Kindheit, entweder aus eigenem Antrieb, aber oft auch forciert von (uns) Eltern, die akribisch jedes Bild, jedes Foto „für später“ aufheben. Einmal sentimental aufgeladen („das ist aus meiner Kindergartenzeit“ oder „die Postkarten  sind aus dem Urlaub von…“), kostet es uns Energie, wenn wir diese Dinge wieder loslassen möchten. Oder es kostet die Hinterbliebenen Energie, wenn sie nach dem Tod eines lieben Menschen mit diesen Dingen konfrontiert werden. Ich habe diesen schwierigen Prozess schon einige Male in meiner Familie erlebt.  

Vor dem Entrümpeln persönlicher Gegenstände schrecken wir selbst dann zurück, wenn wir dringend Platz und Energie gewinnen möchten. Die Emotionen sind stärker als unser Verstand. Daher solltest Du persönliche Gegenstände eher nicht zu Beginn Deiner Reise entrümpeln, denn für diesen Bereich brauchst Du mehr Zeit und Energie. Geh sorgsam mit Dir und Deinen Ressourcen um, denn gerade das Entrümpeln solcher Dinge macht Dich schneller entscheidungsmüde als emotional weniger aufgeladene Bereiche deiner Wohnung. Wenn Du in anderen Bereichen beim Entrümpeln bereits Erfolge feiern konntest, solltest Du Dich mutig an persönliche Gegenstände herantrauen. Wie so oft führt der Weg dorthin über das Bewusst-machen von Strukturen und Gedanken, die uns bisher den Weg aufgezeigt haben. Warum hebst Du das Ding auf? Warum fällt es Dir schwer, es los zu lassen, obwohl es in Deinem Leben keinen Platz dafür gibt? Warum glaubst Du jemanden damit zu verletzen, wenn Du den Gegenstand nicht mehr besitzt?

Vielleicht fällt es Dir leichter los zu lassen, wenn Du diese Dinge an Menschen weitergeben kannst, für die sie bedeutsam sind. Aber lade nicht Deine Dinge bei anderen ab, um deine eigene Auseinandersetzung damit zu vermeiden.  Sie an andere weiterzugeben, kann immer nur ein Angebot sein. Frage die Menschen, ob sie Deine Dinge haben möchten und lass ihnen die Auswahl.  Es gibt dafür den schönen Ausdruck „geben mit warmer Hand“.

Ich habe auch schon einige Stücke auf diesem Weg weitergegeben. Unter anderem ein Paar Granatohrringe, die ich auf einem Flohmarkt in Südfrankreich gekauft habe. Ich finde sie wunderschön und erinnere mich gerne an diesen Markt im Frühling und die südfranzösische Sonne zurück. Aber ich trage die Ohrringe nicht mehr. Meiner kleinen Tochter gefallen diese Ohrringe ebenfalls. Aber mit drei Jahren ist sie noch zu klein um sie zu tragen. Ich habe die Ohrringe in ein Kästchen gelegt und ihr einen Brief dazu geschrieben. In diesem erzähle ich ihr von der Geschichte der Ohrringe und davon, warum sie diese von mir bekommt. Am Ende des Briefes habe ich sie darauf hingewiesen, dass diese Ohrringe nun ihr gehören und sie selbst entscheiden darf, was sie damit tun möchte – ohne schlechtes Gewissen. Die Ohrringe warten nun in ihrer Erinnerungskiste, in der wir einige Kleinigkeiten aus ihrem bisherigen Leben aufbewahren, bis sie älter ist und sich für diese Dinge interessiert.

Wenn Du Dich nicht an das Entrümpeln persönlicher und sentimental aufgeladener Dinge traust und dieses anstrengende Thema beim Entrümpeln  bisher ganz ausgeklammert hast, führe folgendes Gedankenexperiment durch: Was passiert, wenn Du dich von den sogenannten „persönlichen Dingen“ trennst? Verlierst Du dann Deine Persönlichkeit? Zeichnet der Besitz bestimmter Dinge Dich und Deine Persönlichkeit aus? Wenn Du kein einziges Ding mehr besäßest – wie viele Flüchtlinge, die bei uns in Europa Schutz suchen –  würde das deine Persönlichkeit schmälern?

Persönliche Dinge sind eine Ausstellung vergangener Abschnitte unseres Lebens. Sie bringen uns Erinnerungen und Emotionen zurück, manchmal angenehme, manchmal unangenehme. Sie halten uns in der Vergangenheit fest, obwohl die Gegenwart unsere Aufmerksamkeit fordert und die Zukunft auf uns wartet. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns Besitz oder Nicht-Besitz von sogenannten persönlichen Gegenständen keinen Schritt unserer Persönlichkeit näher bringen. Im Gegenteil: Wird unsere Persönlichkeit nicht mehr von der Frage nach Haben oder Nicht-Haben überlagert, können wir sie wirklich entfalten und zum Strahlen bringen.

Und wenn Du fertig bist mit dem Entrümpeln Deiner persönlichen Gegenstände oder wenn Du ein Etappenziel erreicht hast, feiere dich, deinen Mut, deine Entschlusskraft und deinen Erfolg!

Herzliche Grüße von meinem Zuhause in Dein Zuhause!

 

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